Ein Auftrag im hohen Norden, Teil 1

Tag 4201, Tisy Military Recruitment and Research Center


Die Kalasch im Anschlag. Ummantelt im ABC-Anzug und mit Gasmaske ausgestattet, bahnte man sich durch den grünen Dunst. Sechs Stunden dauerte der Marsch durch die Berge, Wälder und Städte in den Norden. Alles verlief wie geplant, bisher. Die Streuner waren ruhig, die Nacht macht sie genauso blind wie manch anderen Stalker. Und Wölfe waren bei weitem wohl mit besseren beschäftigt, als jemanden wie Ihm an den Hacken zu kleben.


Warum mach ich das eigentlich.. Dachte er sich oft genug, während er sich ruhig fortbewegte und den schmalen Kegel der Gewehrlampe durch die grüne Dunstsuppe bei Nacht schneiden lies. Schlurfende Schritte schrubbten links und rechts in der Dunkelheit umher und jenen entwichen inmitten der Nachtgeräusche das ein oder andere Stöhnen. Von Zelt zu Zelt schlich man sich vorran. Sicherte sich einen Pfad mit Messer und Geschick. Einem auftauchenden Schleicher folgte ein gezielter Messerstoß in die Augenhöhle. Ein Griff in den Nacken und man lies den Schlurfer in seinen ewigen Schlaf langsam zu Boden entgleiten. Lautlos setze der leblose Körper auf den Boden auf und man erhob sich erneut. Zog am Trageriemen der AK und umfasste sie in festen Griff.


Das Forschungs- und Verwaltungsgebäude lag ferner des Rekruten-Trainingcamps. auf einer entwaldeten Anhöhe des ehemaligen Testgeländes für Sprengkörper und experimentelle Kampfgeschosse. Auch hier schlurften sie überall, träge, leise keuchend und stöhnend vor sich hin. Die Toten in zerfledderten Militäroutfits, welche vor elf Jahren noch der Stolz der Nation waren nun wandelnde Scheißhaufen, welche begierig nach ihrer ekstatischen Fleischeslust zu unerbittlichen Marathonläufern mutierten.


Nachdem sich Stepan, an jenen vorbei geschlichen, in das Gebäude flüchtete, schaltete er seine Gewehrlampe wieder an. Die Tür blockierte er mit einem herumliegenden Metallstück wie mit einem Keil.

Der Korridor war leer.

Die Türen alle verschlossen.

Die Theke war gesprenkelt in vertrockneten Blut und Stepan leuchtete mit der Lampe die Türen und Wände ab. Verriegelt mit schweren Eisenriegeln. „Hmm.“ brummte er nur und fand einen alten Aufzugschacht, jenseits eines anderen Korridors. Auch hier waren die Türen allesamt verriegelt.

Die Schritte seiner Stiefel hallten selbst im schleichenden Tritt durch die Eingangshalle und Korridore des Erdgeschosses. „Hmm.“ brummte er erneut und blickte auf. Am Aufzug war eine Etagenkarte.


  • E3 Verwaltung, Leitung
  • E2 Personalräumlichkeiten 101-120
  • E1 Versorgungsräumlichkeiten, Empfang, Ausgabe, Kiosk
  • U1 Logistikbereich Warenannahme und Verarbeitung
  • U2 Lagerräume 201-206, Labor 207-210, Manufaktur
  • U3 Werkstätten, Experimentierraum 301-303, Gefahrenstofflager
  • U4 Medizinische Versorgungsgüter, Pharmazeutischer Herstellungsraum 401-402


Stepan schnaufte aus. Der Treppengang war verschüttet und der einzige Weg erschien wohl nur durch den Fahrstuhlschacht. „Der Fahrstuhl wird sicherlich nicht funktionieren, oder?“ er brach die Fahrstuhltür mit einer Metallstange auf und sah die Aufzugkabine über ihm im dritten Stock hängen. Die Leiter neben den Schiebetüren wirkte alt und abgegriffen. Aber dennoch stabil genug. Stepan traute dem Frieden jedoch nicht und rollte sein Seil aus Paracord aus. Er befestigte es mit einem robusten Karabinerhaken an einer nahestehenden Säule und lies das Seil in den Aufzugschacht verschwinden.


Er kletterte behutsam die vergriffene Leiter hinunter. Die Gewehrlampe auf dem Rücken erhellte den Schacht zumindest ein wenig und jede der Ebene bot ihre eigene Horror-Szenerie dar.

Im ersten Untergeschoss glommen infizierte Augen im schwachen Schein der Taschenlampe. Die Lagerhalle erleuchtete kaum durch die unzähligen Palettenregale voller Kartons, Kisten und Kartonagen in ihrem Weg.

Das zweite Untergeschoss war ruhig, jedoch erfüllt von pechschwarzer Finsternis.. Das unheimliche Wehklagen der Toten auf der untersten Ebene hallte ihm entgegen als er das dritte Untergeschoss erreichte. Die Lampe nach unten gerichtet, erblickte er am Boden zerschmetterte Tote. Schnaubend und wimmernd reckten sie gebrochene Finger gen der Lichtquelle und rissen ihre Mäuler auf. Unfähig sich aufzurichten aufgrund der gebrochenen, teils sogar auseinander gerissenen Leiber.

Stepan stemmte sich gegen die Leiter und gegen die Tür. Setzte die Metallsstange an und hebelte die Tür des dritten Geschosses auf. Dabei knarzte die Leiter unnatürlich laut durch den Schacht.

Ein weiterer Ruck und die Tür war offen. Schon kamen zwei Beißer angesprungen. Der Erste fiel in den Schacht und man hörte nur das Knacken von Knochen und ein lautes URG..

Der Zweite griff nach Ihm und zog sich, seinen Arm umpackt zu ihn heran. Doch ein beherzter Tritt von Stepans Stiefel gegen das herausgestreckte Bein und schon flog auch dieser den Schacht hinunter.

Beinahe im selben Moment brach die Leiter an der Ankerung und die Schweißnaht riss durch. Stepan hechtete gerade so mit der Hand an der Schiebetür in das dritte Untergeschoss. Sein Herz pochte im Bezug dieser knappen Situation. Noch knapper wurde es als er die Lampe seines Gewehrs anhob. Die leeren schmalen Gänge waren plastisch weiß gehalten, Blutspuren waren tatsächlich eher Rar. Doch schon griff der nächste Beißer an seine Füße und wollte sich an seine Waden heranziehen. Ein wuchtiger Tritt und der Kopf warf sich unweit nach hinten, knallte auf den harten Marmorboden und es entwich dem Untoten nur ein leises Wimmern. Mit einem Hieb seines gezogenen Messers in die Schläfe, garantierte er sich dessen endgültigen Ablebens.


Nun erlaubte er sich doch einmal durchzuschnaufen und die Anspannung kurzweilig fallen zu lassen. Der Filter seiner Maske war aufgebraucht und in Betracht der Tiefe seines Aufenthaltsortes sollte es hier nicht gefährlich sein, die Maske abzunehmen. Er öffnete die Schnallen am Hinterkopf und nahm die Maske vom Kopf. Er atmete tief durch und stellte keinen eigenartigen Geruch fest. Daher nutze er die kurze Verschnaufpause um den Filter zu wechseln, sich eine Zigarette anzuzünden und die Kratzer in seiner Schutzkleidung mit einer Rolle Klebeband abzudichten, ehe er den Zigarettenstummel im Mund behaltend, das Gewehr prüfte und vor sich hielt.

Und begann den Korridor entlang zu gehen.


Experimentierraum 302. Nichts. Hier ist nichts.. Lauter chemischer Scheiß aber nichts was ich suche.. wo kann es nur sein.

Die Gedanken schwirrten ihm im Kopf herum, während er alle Regale und Schubladen durchsuchte. Jeden Sicherheitsschrank mit der Metallstange aufbrach. Nur um wieder und wieder nichts zu finden was es sich wert wäre mitzunehmen. Der Rucksack fand letzten Endes nur Verwendung für medizinische Güter: Verbände, Desinfektionsmittel, Kanülen, IV-Sets, usw.


Er brach den letzten Raum auf.. Scheiße.. Nur ein Büro. Er setzte sich auf den alten Sessel und wühlte die Schubladen durch. Ein Schlüsselfach.

„Hm.. Experimentierraum 301... 302.. Herstellungsraum Pharmazie 401... Gefahrenstofflager..“

Gefahrenstofflager? Stepan erinnerte sich an den Lieferschein welchen er Nördlich von Severograd fand.


Gefahrenstoff... Kategorie 10


Da muss es sein! Er nahm den Schlüssel an sich und ging den Korridor zurück zur Aufzughalle. Das Tor zum Gefahrenstofflager entriegelte mechanisch und kaum öffnete sich die Tür, fiel eine Leiche zu Boden durch den aufgeschlagenen Türrahmen.

Abgemagert, reglos. Beinahe mumifiziert wirkend. Ist wohl verhungert.

Stepan schritt hinein und ging die Schränke durch, in welchen meist gefährliche Stoffe wie Säuren und Laugen, Essenzen und Glycerin gelagert werden. Unterteilt in den Gefahrstoffkategorien, markiert durch Schilder, ging er jede mit der Taschenlampe durch. Er erreichte den verstärkten Stahlschrank und..


Scheiße. ein ID-Kartenschlitz.

Ohne bekam er ihn nicht auf... Wenn er ihn aufbrechen würde. Könnte er das Mittel beschädigen. oder Schlimmeres.. Er musste die Karte finden. Oder eine Möglichkeit das Schloss zu überbrücken..

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