Morgen komme ich nach Chernarus

"Du bist wahnsinnig!" waren die letzten drei Worte, mit denen sich meine Freunde, meine Arbeitskollegen und meine Familie bei mir verabschiedeten, während ich nach dem dreitägigen Festsitzen im Stau unter Tränen meine Sachen packte. Es brach mir das Herz, ihnen allen den Rücken zu kehren. Doch sie konnten es nicht sehen! Sie verstanden nicht, dass man bei einer weltweiten Krise nicht mit dem Strom von Millionen Flüchtenden mitzieht! Klar, die Zombieseuche kam aus dem Osten, aber mit allen anderen nach Westen zu fliehen um dort dann WAS zu tun..?! Anfangs hatte mich der Gedanke beruhigt endlich weg zu sein von all diesen Menschen, dem durcheinander-gelaber, den "demokratischen Abstimmungen", dem emotionsgetriebenen panischen Geseier. Lange schon vermisse ich es. Ich bin seit 11 Jahren nun schon unterwegs. Die Zeit verfliegt, wenn man von Angst getrieben wird. Habe immer mal hier mal da ein paar Monate ein Lager aufgeschlagen. Doch jedes Mal kam irgendwann eine Horde Zombies oder eine Gruppe Kannibalen oder irre Glaubenskrieger, die mich auf lettisch, finnisch oder polnisch zu ihren Ritualen zwingen oder ausrauben wollten. Ich bin dabei selbst zum Tier geworden. Doch das bringt die Zeit mit sich, wenn man jeden Tag ums Überleben kämpft!


Heute habe ich mein Lager auf der Halbinsel Krim weitestgehend abgebaut. Morgen breche ich auf nach Chernarus, es sollte nurnoch einen langen Tagesmarsch entfernt sein. Da soll eine weitestgehend Ideologiefreie Gesellschaft existieren. Ich hoffe dort endlich wieder eine Gruppe, eine Familie finden zu können. Mein Cousin Ilja hat früher ein Haus in Kamyshowo gehabt. Er war schon immer ein Einsiedler, Landei, Aussenseiter, der elektrischen Strom für einen Fehler der Evolution hielt. Er wird überlebt haben, da bin ich sicher.