"Crush!"

"Crush!"



Meine Aufgabe war es mit Hemmer in den Süden zu gehen, scheinbar sollten sich dort noch NRF Truppen befinden die unsere Hilfe mehr als benötigten. Stichwort benötigten, als wir dort ankamen war nichts mehr was nach militärischer Planung oder strategischem vorgehen aussah vorzufinden. Eine Menge Leichen an denen blutverschmiert das Nato-Patch hing und eine Menge ZTs die ebenfalls unser Patch trugen. Wir hatten schon eine menge Scheiße in unserer Laufbahn gesehen und trotz dass wir als die "Harten Hunde" galten ließ uns dieser Anblick nicht kalt. Selbst Hemmer, der Mann mit den breitesten Schultern und mit Abstand der größten Klappe war still. Der Grad der Verwesung war schon recht Fortgeschritten, es musste also direkt nach Ankunft geschehen sein, aber was führt dazu, dass ein Zug voller ausgebildeter Soldaten sich so auseinander nehmen ließ.

Wir checkten die Überreste, erledigten einige von den ZTs im Nahkampf, denn von dieser Horde wollte niemand Aufmerksamkeit.

Einiges an Munition war eingepackt, sonst gab es nichts brauchbares. An ein Begräbnis all unserer Kameraden in militärischen Ehren war nicht zu denken. Keine Chance.

Hemmer und ich schauten, dass wir so schnell wie irgendwie möglich aus der Stadt rauskamen möglichst in ländlichere Gebiete, in welchen das ZT aufkommen geringer ist. Obwohl wir beide Das laute Kriegsschreien unserer Waffen liebten, verwendeten wir sie in den folgenden Tagen nicht ein einziges mal, zu groß die Gefahr ungewollte Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen.

Wir schliefen mal in Gartenschuppen, mal in ehemaligen Jagdunterständen. Jeden tag wurden um 0700, um 1200 und um 2000 alle Kanäle auf irgendwelche Signale überprüft, nichts außer ein dauerhaftes Rauschen, jeden gottverdammten Tag.

Unser Ziel war klar, nachdem wir keinerlei Spuren von Nato Kräften mehr ausfindig machen konnten.


Hemmer und ich funktionierten perfekt zusammen, beide große Klappe und mehr Übermut als Verstand, aber jede Lage unter Kontrolle. Wir waren beide Jungs die den Eindruck erweckten genau hierfür geboren worden zu sein. Ich jedenfalls hatte nichts zu verlieren, bei Hemmer wusste ich es nicht so genau, schwer ein "normales" Gespräch mit ihm zu führen, obwohl wir uns schon so lange kannten und vertrauten. Aber irgendwie mochte ich das auch.

Ich weiß noch genau in unserer Ausbildung, als wir zusammen in die Einheit geworfen wurden, waren wir immer die letzten die beim Freigang noch am Saufen waren und dann trotz des heftigsten Katers und ohne schlaf, mit einer Fahne vor dem Herrn Türen eintraten, durch Fenster brachen oder Nahkampfübungen absolvierten als ob es kein Morgen gäbe.


Es war wieder eine Nacht auf einem dieser Jägerhochstände, sie boten guten Sichtschutz und einen perfekten Blick über die Umgebung. Ich musste tierisch pissen, schulterte meine Waffe und kletterte die Holzleiter hinab. Unten angekommen hielt ich inne, belauschte meine Umgebung auf irgendwelche Anzeichen von Bewegung.

Nichts. Perfekt.

Ich ging an einen nahegelegenen baum um mein Vorhaben zu vollenden. Nach Abschluss dessen, entschied ich eine kleine Patrouille zu laufen um die Umgebung um den Hochstand zu checken. Hemmer war sicher, da oben am pennen. Ich lief eine weile als ich das widerliche Keuchen und Blubbern der ZT kehlen wahrnehmen konnte. In gehockter Position scannte ich die Umgebung. Scheiße das waren mindestens 20 Stück die sich in Richtung unseres Lagerplatzes bewegten. Hemmer wecken, war keine Option dann schlugen die Viecher sofort Alarm, ich musste sie auf eine andere Route locken. Ich bewegte mich geduckt Richtung Osten um die Horde links zu umlaufen. Als ich meiner Meinung nach weit genug war entzündete ich eine Notfackel hielt sie über meinen Kopf und sah wie ich exakt in diesem Moment die geballte Aufmerksamkeit der ZTs hatte. Ich rannte, scheiße ich bin selten so gerannt. Zum Glück dachte ich noch, ließ ich mein Backpack im Hochstand. Nach 10 Minuten Sprint durch die Dunkelheit, welche nur durch das rote Leuchten der Notfackel erhellt wurde, begann meine Lunge das erste mal zu kämpfen aber ich rannte weiter, die Dinger immer noch an meinen Hacken der Abstand hielt sich konstant aber ich wurde sie auch nicht los. So langsam verlor ich die Orientierung, ich hatte mehrere Waldabschnitte durchquert und sah vor mir die schwachen Silhouetten einiger Häuser. Noch weitere 20 Minuten hätte ich nicht durchgehalten, ich musste in eines dieser Häuser, Fuck.


Mit meiner Schulter Voraus rammte ich die Tür des ersten Gebäudes auf, die Verriegelung sprang aus dem Holz und die Tür viel mit mir zu Boden, hektisch stand ich auf schnappte mir die zweite Tür und schlug sie hinter mir zu. Ich schob mehrere Möbelstücke von innen dagegen, die sollten dem Druck standhalten, ich fuhr herum und suchte das Gebäude nach weiteren Eingängen ab, alles sauber. Ich stolperte außer Atem die Treppe nach oben verschloss die Tür und lehnte mich mit meinem Körper dagegen.

Fuck.

In dem Moment hörte ich das Brechen und splittern von Glass gepaart mir den Geräuschen der verwesenden. Es klang als ob sich die Horde auf dem Weg hier her vergrößert hatte. Sie belagerten nun das Haus.

Ich war gefangen.


Es vergingen zwei Tage ohne Nahrung und ohne Wasser, zwei Tage ohne Schlaf und ohne den Ausblick auf Flucht. Die Sonne des dritten Tages ging nun langsam auf, ich lag durch den Entzug von Wasser und Nahrung geschwächt gegen die Tür gelehnt, konnte die Augen kaum aufhalten.

Das plötzliche Knallen eines Schusses aus Richtung Norden riss mich aus meiner Trance. Ich hörte wie die ZTs ihre Aufmerksamkeit nun einer anderen Quelle schenkten und nach und nach das Haus und dessen Umgebung verließen. Ich warf einen Blick aus dem Fenster um meine Vermutung zu bestätigen.

Ha ihr Ficker, dachte ich mir riss das linke Fenster auf und ließ mich das Vordach herunterrutschen. Ich kam recht hart auf der darunter liegenden Wiese auf, voller Adrenalin checkte ich die Umgebung und Taumelte in die entgegengesetzte Richtung des Schusses. Immer wieder warf ich einen Blick über meine Schulter, immer wieder stolperte ich, hievte mich mit letzter Kraft auf um in Sicherheit zu gelangen.

Ich war nun weit genug entfernt um außer Gefahr zu sein. Das Adrenalin wich langsam aus meinem Körper. Ich realisierte meine Lage. Erste Priorität: Nahrung und Wasser. Zweite Priorität: Den Treffpunkt erreichen.


Bericht Crush, Breacher des Bravo-Teams