Das Ende des Amerikanischen Dingos

Panisch wand er den Kopf umher. Verborgen hinter dicken Stahlwänden saß Nico in seiner provisorischen Hütte und tippte den Kugelschreiber auf den Schreibtisch. Die Zigarette lose im Mundwinkel. Die endlosen Zettel, an seiner Bürowand, prangerten um ihn herum wie Gespenster.

Zettel von Lara, Vasili, Kathi, Mores... von Piet, Möller und der Ärztin. Allesamt schwirrten sie in seinen Gedanken, um ihn herum und sahen auf ihn herab. Flüsterten ihm Dinge zu, die er mit einem Kopfschütteln vertreiben wollte.Und die Schwarzen thronten lachend über allen und spotteten über seine Furcht vor ihnen. Wie gerne hätte er nun einen Schluck harten Scotch. Den Kopf mit Alkohol zu fluten, wäre ihm wohl das Liebste gewesen., um all die Geister und Stimmen wegzuspülen.

Wie konnte es nur soweit kommen? Wie hatte er es nur geschafft, gegen alle so zu schießen? Das er nun hier, in einem stählernen Koloss verbunkert, vor sich hin vegetieren müsse.


Er war ein Dieb. Ein gefährlicher und aggressiver Egoist. Von der Paranoia zerfressen, sah er in jedem Intrigen, Verrat und Gefahr. Und er merkte nicht, dass es er selbst war, der Intrigen sponn. Menschen für seine eigene Haut verriet und Freunde bedrohte. Vasilis Tod habe ihn komplett überschnappen lassen. Panisch hatte er sich in ein Gebäude verbunkert. Eine Übermacht gegen eine einzelne Person. Nur die Stalker lauerten draußen und gingen das Risiko auf Kampf ein. Zweien kostete es das Leben. Und einem den Verstand. Ihm selbst. Er bedrohte eine Ärztin, welche er zuvor noch bedrängte und begaffte. Doch der größte Fehler war. Er bedrohte Lara, die nach allem was passierte, lange hinter ihm stand. Jene die sich ihm entsagte, als er es zu weit trieb. Er drohte ihr mit dem Tod.


Bei den Stalkern war der Tod ein endgültiges Urteil. Diesem Kodex zu ehren, lebten die Stalker der Ortschaft Stalkerbay als neutrale Händlerfraktion lange in Frieden mit diversen Camps der Umgebung. Doch Nico gefährdete nicht nur ihre Lebensweise. Er wollte das Kommando. Zu oft erwies sich Stepan als zu Vernünftig, als das er Nicos Plan, die Reihen zu Stärken um die Schwarzen auszumerzen, folgen würde. Stattdessen wiesen Stepan und Kathi ihn regelmäßig zur Raison.


Doch das Maß füllte sich von Tag zu Tag. Jeden Tag füllten neue Gerüchte die umliegenden Camps. Nico bedrohte die Ärztin, weil sie ihn abwies. Nico prangerte wieder gegen das Blackpack. Nico unterwanderte die Verhandlungen mit dem Händler Lupus und sabotierte so das damit zerfallene Vertrauen der beiden Händlerparteien. Fehler über Fehler für die er sich nicht entschuldigte oder gar rechtfertigte. Er erdreistete sich einen Plan zu verfolgen. Gleichzeitig zerfraß ihn der Wahnsinn, welchen er immer wieder Piet taufte. Dieses Gespenst, das ihn so panisch von den südlichen Städten fern hielt, wie auch von der Roten Station. Doch das Maß war endgültig voll.

Mit der Drohung und den Intrigen Lara und Viktor zu töten, begann er den schlimmsten aller Fehler. Einer engsten Vertrauten und Freundin beider Anführer der Stalker zu erledigen, aufgrund von paranormalen Verschwörungstheorien, grenzenloser Einbildungskraft und der verlorenen Hemmung, alles und Jeden zu töten, sofern es nur seinen eigenen Arsch rettete.

Doch er hatte nicht mit der Konsequenz gerechnet, welche Stepan und Kathi vollzogen als sie nach langen Reisen, aus dem Norden, zurück zur Heimat Stalkerbay zurück kehrten.


Wie im Fieberwahn stammelte er vor sich hin. „Piet wird mich nicht kriegen. Aber, aber... die Schwarzen. Sie wollen mich erledigen.“ Belangloses Gerede gegen die Stimmen seines eigenen Kopfes. Jene, die ihm zuflüsterten, dass er sterben wird.

In just dem Moment öffnete sich das Haupttor am Rumpfbruch und Stepan und Kathi betraten ihr Zuhause. Bewaffnet und mit dem üblichen Überwurf gekleidet, gingen beide geraden Schrittes zum Frachtraum Nummer Drei. Der Frachtraumabschnitt in welchem Stepan die Quartiere errichtete. Nico verhielt sich still und verbarg sich hinter den Holzwänden der einfachen Hüttenkonstruktion.

Stepan und Kathi suchten beinahe schon systematisch die einzelnen Unterkünfte und Lagerräume ab. „Nico, wir wissen, dass du dich hier versteckst. Pack deine Sachen und verlasse Stalkerbay auf der stelle.“

In aufkochender Wut platzte es aus Nico heraus. „Ich habe nichts getan, die Schwarzen..“

„Die Schwarzen waren nie das Problem!“, fuhr ihm Kathi in die Parade.

„Sondern deine Lügen und Drohungen. Deine Verstöße gegen unseren Kodex.“ ergänzte Stepan.

Nico prasselte und schäumte. Biss sich auf die Lippen und spannte sich an. „Ich habe nichts getan, sie Lügen allesamt. Alles nur Lügen und Intrigen, damit die Schwarzen mich in ihre Finger bekommen. Ihr seid nur ihre Marionetten, Ihre Spione, nein ihre Auftragskiller. Ihr wollt mich in ihren Auftrag töten!“


Kathi und Stepan handelten instinktiv und noch ehe die erste Salve durch das Holz schlug, waren sie hinter der dicken Trägerwand in Deckung gegangen. Die Kugeln pfiffen laut schallend an ihnen vorbei. Zwischen dem Stoßfeuer von Nicos M-4 Karabiner, hörte man ihn schreien und mit sich selbst reden. Als stünde er mit der ganzen Welt in einem Konflikt. „Ihr kriegt mich niemals! Ihr kriegt mich niemals! Niemals hört ihr? Niemals!“


Das Gefecht war unumstößlich am Eskalieren. Nico saß auf einem Berg an Munition und Magazinen. So schnell, wie er die Waffe nachlud, boten sich nur sehr kurze Zeitfenster, um zurückzufeuern. Der Verfolgungswahn hatte ihn letztendlich doch wahnsinnig gemacht. Doch immerhin nutze er nicht die Granaten. Die Holzwand viel bereits Stück für Stück in sich zusammen. Er feuerte unerlässlich, bis der Lauf der M-4 bereits rötlich glimmte. Doch darauf nahm er letztlich keine Rücksicht. Und dann passierte es am Ende doch. Kathi setzte Nico mit der M14 unter Feuer. Die schweren Projektile durchschlugen die behelfsmäßige Deckung, als sei sie aus Papierbündeln gemacht. Nico hatte Glück, dass er das Feuer einstellte und sich auf den Boden warf. Mittlerweile eröffnete auch Stepan das Feuer aus seiner Kalasch und setzte den Trägerbalken von Nikos Unterschlupf einige brachiale Treffer zu. Der Balken knarzte laut und gab letztendlich nach. Das gesamte Obergeschoss brach über Nico zusammen.


~ Lachen erschallte durch die klangleere, schwarze Halle. Das Lachen erschallte lauter und klarer.

Immer mehr stimmen erklangen und das klare Lachen wandelte sich in spöttisches Gelächter. Finger erglommen in der schattenhaften Leere des Raumes, als seien sie Geister der Vergangenheit und Zukunft.~

Unter den Trümmern regte sich Nico und begann das Feuergefecht wieder aufzunehmen. „Sturer Ami.“, brummelte Stepan hinter der Deckung, als die Kugeln wieder auf den Stahlträger einprasselten. Und dann erklang ein lautes Plingen, Und Nico schrie auf. Die M4 ging zu Boden und rutschte ihnen entgegen. Nico der sich aus den Trümmern gekämpft hatte, wurde Opfer eines Abprallers seiner eigenen Waffe. Er hielt sich das Bein an der Stelle, wo das Kugelfragment ihm die Kniescheibe zertrümmert hatte. Und noch ehe er den Gedanken an das Sturmgewehr zu greifen nachgehen könnte, presste sich der kalte Stahl von Kathi's 308er gegen seine Schläfe.

„Das Spiel ist Aus, Arschloch.“, entgegnete sie und dann wurde es Nico schlagartig schwarz um die Augen.


~Schallendes Gelächter~

Eine schallende Ohrfeige lies ihn hart zusammenzucken und aufstöhnen. Kathi stand über ihm und hatte sich fingerlose Handschuhe angezogen. Als Nächstes prellte Nico ein Rückhandschlag über die Visage. Als sein Kopf so schwer gen Boden neigte, bemerkte er erst, dass an er einen Stuhl gefesselt saß. Stepan rauchte mit Blick nach draußen eine Zigarette. Es war mittlerweile Abend geworden und wie auch immer man es sah. Kathi lies ihn wohl ordentlich büßen. Selbst wenn er sich dagegen aussprechen wollte, konnte er es nicht. Der Knebel verhinderte das. Er musste die Schlagsalven ertragen die auf ihn einprasselten. Schläge die man einer Frau wie Kathi nie zutrauen würde, wüsste man nicht, dass sie selbst den hiesigen Händler durch eine Gasmaske hindurch mehrere Zähne ausgeschlagen hatte, als er sie auf Grund eines Fehlers in Lebensgefahr gebracht hatte.

Nachdem Stepan den Weg zurück zu beiden fand, warf er die Zigarette ins Meer. Auch er hatte sich umgezogen und schien mit Kathi einige Worte zu wechseln. Dann zog Kathi ihm den Kopf in den Nacken. „Aufwachen Nico.“

Es wurde sein Knebel gelöst und er spuckte Blut auf den Boden.

„Ach Nico. Wo hat dich dein Wahnsinn nur hingebracht.. Du~“

„Fuck you“, unterbrach er ihn mit verschmierten Gesicht und kassierte kurz darauf schon wieder einen Fausthieb von Kathi, ehe er noch einmal verbal ausholen konnte.

Stepan begann erneut. „Du hättest einfach gehen können, Du weißt ganz genau, dass wir Stalker nach einem Kodex leben. Und du hast wirklich geglaubt, wir lassen es zu, dass du uns und unseren Freunden ein Haar krümmst? Du bist verrückt, Nico, verrückt.“ Während seines Vortrages lief Stepan um Nicos Stuhl herum und gestikulierte mit seinen Händen seine Empörung betonend. Seine Enttäuschung und seine Wut. Doch er maßregelte sich. „Du Hast gegen viele unserer Regeln verstoßen, darüber konnte ich hinwegsehen. Du hast die Ärztin bedroht. Schert mich wenig, ist euer privater Scheiß der da zwischen euch lief. Du zerstörst mit deinen Unterhandlungen unsere Beziehungen zum aktiven Waffenhandel.. Interessiert mich nen scheiß, denn Du weist wie meine Waffenkammer aussieht.“ eine längere Pause trat ein. „Aber du drohst uns? Du drohst Lara? Die du weggeworfen hast, wie ein kaputtes Spielzeug, das du nicht beherrschen konntest, weil es fühlt? Und am Ende nur wegen eines hirnverbrannten Grundes, der lediglich in deinem Hirn einen logischen Schluss ergibt? Sie weiß zu viel!“ Mit einer Wucht knallte er ihm den Handkantenschlag ins Gesicht, dass er beinahe vorne überflog, als er in seinen engen Fesseln zurück federte. Er spuckte und schnaufte tief.

„Nico. Du hättest gehen können. Du hättest verschwinden können. Warum hast du das Feuer auf uns eröffnet. Hier in unserem eigenen Zuhause. Unserer Zuflucht die auch dir ein sicheres Dach bot.“ ~ Keine Antwort. Nur tiefes Schnaufen. Erneut spuckte er Blut zwischen den Zähnen hervor. Der Mund und die laufende Nase färbte sich bereits schwarz.

Kathi entfachte das in Benzin und Sperrholz drapierte Feuerfass, Die aufgrellende Flamme blendete ihn durch die Schwellungen seiner rechten Gesichtshälfte..

„Nochmal.. Warum hast du uns in diese Lage gebracht Nico..“ fragte Stepan und kniete nun sogar vor ihm, da er unter Schmerz den Kopf nicht mehr hob und nach vorn über hängen lies.


Stepan nickte Kathi zu. Jene holte eine ihrer beiden gebogenen Jagdmesser hervor. Das leise Surren der Carbonstahlklinge, welche aus der Scheide glitt, erklang so deutlich in diesem Bereich der aktuell leeren Containerhalle, in der sie sich befanden. Erst jetzt fiel Nico auf: das Bein ist abgebunden. Kathi dreht ihr Messer in der Hand, berührte die Klinge zärtlich, wie einen alten Freund. Dann riss sie ihm am Schopf zurück und presste die flache Seite der Schneide an seinen Adamsapfel. Nur eine leichte 30 Grad Drehung würde reichen, um die geschärfte Klinge in seine Haut zu versenken und ihm sowohl Luftzufuhr, als auch Speiserohre zu zerteilen. Doch sie hielt inne. Nico war vollkommen geschockt vom rasanten Wechsel des Spieltempos.

„W..wartet.. ich ..“ begann er zu stammeln. Kathi lies von ihm ab und trat zurück. „Ich habe Angst. Ich.. Ich dachte ihr wolltet mich umbringen.“ Stepan blickte zu seiner Gefährtin. „Habe ich dir je einen Grund gegeben? Hätte ich dich töten wollen, hätte ich das einfach getan. Du weißt, ich bin kein Mensch für Theatralik. Ich erledige die Dinge, die erledigt werden müssen, gewissenhaft und schnell. Aber ich werde mich kein bisschen davor scheuen, Kathi ihre Antworten aus dir herauskitzeln zu lassen, nachdem du unser Zuhause so verwüstet hast. Weißt du, wie lange ich daran gezimmert habe?“ Stepan richtete sich wieder auf. „Dein Urteil wurde ausgesprochen. Verstoßung von Stalkerbay. Rauswurf aus der Gruppe und einem gut gemeinten Rat, dir eine andere Bleibe weit im Westen zu suchen.. Nun aber hast du auch deine Waffen gegen uns gerichtet. Und ich erkenne, das du uns niemals in Ruhe lassen würdest. Du würdest uns ebenso hinterhältig dahin schlachten, wie den Deutschen, den du in dein Lager ließest.“


„Nein, Bitte.. Es tut mir leid.. Bitte.. Ich habe solche Angst. Ich will nicht, lasst.. mich gehen.“

Das Flehen von Nico war vergeblich. Stepan und Kathi legten nur den Kopf zur Seite. Sie hatten nur Gehör für die Antworten, welche sie erwarteten. Im panischen Umherblicken, durchschallen die Schmerzen seinen Körper. Das hämische Gelächter im Hinterkopf, das endlos in seine Gedanken griff. Der Blick durch den erhellten Bereich, lies ihn einsehen, dass er verhandeln müsse.

„Ich gebe euch was ich habe, Alles. Nehmt meine Waffen, nehmt meine Munition. Nehmt was ihr wollt.“, begann Nico.

„Deine Sachen? Die gehören dann der Gemeinschaft.. und dein Gewehr? Das wirst du mit in die andere Welt nehmen“, entgegnete Stepan.

„Was wollt ihr von mir wissen, ich sage euch doch alles. Wirklich alles was ich weis.“

„Nichts gibt es, das du wüsstest. Nichts das wir nicht selber wüssten.“ Unterbrach ihn dieses mal Kathi. Doch Stepan hakte ein, hob die Hand und selbst Kathi wirkte verwundert. 0

„Warum Lara? Warum ihr etwas antun, erklär es mir.“ Kathi blickte zu Nico. Jener stammelte vor sich hin, als redete er kurze Zeit mit sich selbst. Kathi rollte das Messer in der Hand. Das reflektierte Licht der Feuertonne blendete Nico nur kurz, doch die stille Drohung zeigte Wirkung.

„Sie weiß zuviel. Ich traue diesem Viktor nicht. Er ist eine Gefahr. Paktiert mit den Schwarzen und beeinflusst Lara. Sie würden mich verkaufen.. Ich weis nicht, was ich ihnen getan habe, dass sie mir das antuhen wollen.“

„Hirngespinnste. Du hast mit deiner Schwerenöter-Tour deine einzige Freundin, damaliger Zeit vergrault. Nun kannst du es nicht ertragen, dass sie bei jemand anderem glücklicher ist. Das war schon damals bei Max so. Ja, wir wissen davon.“ Stepan fuhr sich durch den Bart. Kathi lief ungehindert neben ihn und drehte das Messer in ihrer Hand.

„Das ist alles ein Komplott. Die Ärztin will mein Fleisch für ihre Experimente. Das ist alles ein

abgekartetes Spiel. Eine Verschwörung, ihr seit ihre Puppen, ihre Marionetten..“ Nico verfiel in ein Gestammel von unverständlichen Debatten und Dialogen, die er scheinbar nur noch mit sich selber führte. Suchte laut aussprechend einen Weg, heil aus der Sache heraus zu kommen. Immer wieder verfluchte er Piet und Jasmind, Lara und die Schwarzen. In seinen Gedanken lachten sie schallend und spöttisch.

Stepan schnaufte tief aus. „Verstehe.“, mehr sagte er nicht und zog die Isch71 aus seinem Holster und legte sie auf dem provisorischen Arbeitstisch, an welchem er lehnte.


„Ihr seid nicht besser als sie.. Sie alle. Auch ihr seit nur Hunde dieser Verschwörung. Hunde welche die Drecksarbeit erledigen. Ohne Ehre und Prinzipien.“, redete sich Nico nun wieder in Rage. „Ich bin unschuldig. Lasst es mich doch beweisen. Vasili hätte es so gewollt.“

„Hätte er das? Wohl kaum. Auch er tolerierte keinen Verrat.“, pfefferte Kathi dazwischen.

„Er Hätte hinter mir gestanden! Er hätte mich verteidigt. Und er wäre absolut enttäuscht von euch Beiden gewesen!“ Als er diesen letzten Satz beendete, wusste er, dass er dies nun nicht mehr zurücknehmen konnte. Er wusste nun selbst, dass er jegliche Hoffnung, jede noch so kleine Chance, im Schlaf erdrosselt hatte. Und das Einzige, was er in seiner festgefahrenen Wut von sich geben konnte, würde es nicht besser machen. Er ging also aufs Ganze und lies seine Gefühle freien lauf.

„Enttäuschung, das wart ihr, eine einzige Trauergemeinschaft. Enttäuscht wäre Vasili gewesen, wie ihr hier euer Leben weggeworfen habt. In dieser Blechtonne zu Leben. In diesem Stahlkoloss aus Scheiße. Ihr seid eine einzige bittere Enttäu..“ Etwas lies ihn nicht zu ende sprechen. Der stechende Schmerz, der seine Kehle hinablief, lies ihn weder Luft zum Atmen noch zum Fluchen.


„Du warst die Enttäuschung. Du hast sie in den Tod geschickt und dich verkrochen wie ein Feigling. Du bist die Enttäuschung..“ entgegnete Stepan nur ruhig und mit kaltem Blick. Die Isch71 auf seinen Kopf gerichtet. „Für uns alle.“, ergänzte Kathi, welche das Messer geworfen hatte.

Nikos panischen Blick beobachtend, welcher röchelnd und angespannt in den Fesseln wand und in die Pistolenmündung starrte. Die erlösende Kugel erwartend, die ihm dieses elende Ableben erträglicher machen würde.

„Wir werden deinen Wunsch erfüllen. Die Ärztin hätte dein Fleisch unter keinen Umständen für ihre perversen Experimente bekommen.“ Und dann drückte Stepan den Abzug durch. Zwei Schüsse erklangen in dieser Nacht. Und Nikos Herz und Stirnlappen wurden mit ungehemmter Wucht von den Projektilen durchbohrt. Kathi zog das Messer heraus und ging es säubern. Die unbrauchbar gemachte M-4 aus Nicos Besitz lehnte gegen seiner auslaufenden Leiche. Und der sonst so klare Nachthimmel bedeckte sich durch die aufziehende Wolkenfront. Der Regen, welcher sich binnen Sekunden, wie durch eine verschobene Wand auf dem Leichnam niederließ, schwemmte blutige Fäden in die absackende Brandung des Strandes. Spülte die Halle in Richtung der Naht des auseinandergebrochenen Frachters. Stepan verschloss das Feuerfass mit dem Deckel und wand sich dann in die gegenüberliegende Halle, in welcher Kathi bereits auf ihn wartete.

„Nun hast du endlich deinen Frieden gefunden, Nico.“ flüsterte er in seine Richtung.


Der letzten Bitte kamen sie nach und verbrannten seine Leiche. Die Reste wurden ins Meer geworfen. An seinem Leichnam gebunden, seine Unfunktionelle Waffe, die ihn auf seinen Weg begleiten würde. Über Nico erzählte man offen, wie er sein Ende fand. Und entgegen jeder Bitte über den Standort seines Grabes, wurden seine Überreste nie gefunden.

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