Angst findet dich immer, der Depressionsholocaust.

Ich sagte es schon oft und ich kann mich nur wiederholen, Vernunft ist nichts Gefühl ist alles. Egal wie klar Entscheidungen sind, so reicht eine kleine Emotion aus um uns impulsiv in eine andere Richtung zu bewegen. Das war in der Steinzeit so, in der Moderne und ganz sicherlich auch heute nach dieser ganzen Scheiße. Sei es liebe, Trauer, Wut oder im meinen Angelegenheit Angst. Doch, lass mich erklären, dann verstehst du mein Dilemma.


Stell dir vor du wärst ein junger Mann.... mit einer kleinen Wohnung, einem Auto, einen Job hast du auch und dieser ist sogar nicht immer schlecht. Doch solange du dich mit diesen Sachen nicht grade aktiv beschäftigen musst interessiert es dich nicht, du blendest es aus. Lieber bist du in deiner eigenen Welt versunken, hier stört dich keiner und es läuft so wie du es wünscht. Vielleicht längst du dich mit Videospielen ab während du versuchst den Gedanken loszuwerden das du genauso gut etwas produktives tun könntest, doch lieber kümmerst du dich um dein eigenes Wohl, statt etwas für das anderer zu tun.Möglicherweise hast du sogar einen Freundeskreis in dem du sogar beliebt bist, man denkt an dich, gibt dir gerne ein aus und ist auch sonst gut zu dir.

Du selbst schaffst es nicht einmal dich auf ein Gespräch zu konzentrieren und driftet lieber gedanklich in weit entfernten Welten ab. Zu gerne würdest du dich öfter mit ihnen treffen, doch immer wenn ihr das tut beschleicht dich nach wenigen Minuten ein Gefühl doch lieber wieder allein zu sein. Der Gedanke das ganze zu beenden ist dir sicherlich auch schon in den Sinn gekommen, also tust du es, aber es funktioniert nicht wie gewollt und tat am Ende nur schrecklich weh. Der Gedanke verfolgt dich bis heute jeden Tag, jedoch nicht mehr mit dem selben Gefühl wie früher.


Nach so einem Gedankenspiel erreichst du meist den Höhepunkt des Dramas um die erst Zigarette am Morgen. Nach drei Zügen bist du schonungslos im Depressionsholocaust verloren.


Die Probleme, hauptsächlich solche, die du dir selbst konstruiert hast, sausen dir wie Maschinengewehrsalven um die Ohren. Orgasmen aus Existenzängsten, Geldnöten, Beziehungskrisen, unfreundlichen Mitmenschen, bürokratiegetränkten Behördengängen und Termindruck schreien dir von beiden Seiten um die Ohren, so das du dir eine Kugel durch den Kopf schießen möchtest, um dem ganzen Fiasko ein angemessenes Ende zu bereiten.

Um diese Gedanken endlich von dir schütteln zu können öffnest du ein Fenster, mit der kalten Luft von draußen lässt du auch zwangsläufig die Geräusche anderer Menschen in deinem Lebensraum. Du unterdrückst einen Kurzweiligen Misanthropischen Ausbruch. Du unterdrückst ihn, du bewältige ihn nicht, du willst ihn nie und du wirst ihn nie bewältigen können.



Mit diesen Gedanken sitze ich im heute, mit einem gebrochenen Bein, auf einem alten überrannten Militärgelände. Um genauer zu sein verstecke ich mich in einer alten Baracke und versuche die Angst zu überwinden die Tür zum Bad zu öffnen, um den sich im inneren befindenden Ghul das Licht auszublassen. Ich muss ihn nicht mal sehen, ich kann mir vorstellen wie er hinter der Tür lauert. Mit fettigen, Filzigen Haaren im Gesicht, mit Öligen Leichenschweiß welcher von der mit Beulen besetzten Stirn tropft.

Verdrehte Arme, die verkrüppelt in den hüllen der Gelenke hängen. Ein loser Kiefer der gerade noch so durch ein paar Hautfetzen in Brusthöhe hin und her Schaukeln. Nur darauf wartend mich mit seinen verknoteten Fingern zu greifen.Ich höre wie er seinen fauligen Atem durch das Loch aus seinem Rachen gegen das Holz der Tür drückt. Bestochen von dem fauligen Gerinnsel das als schlacke aus dem leeren Zahnfach läuft. Ich kann es hören, das kränkliches atmen das von Zeit zu Zeit in einem würgen übergeht.



Selbst wenn ich es schaffe, dann sitze ich im Bad, in der die Angst so dicht kauert das sie als Schweiß aus den Wänden tritt. Selbst wenn man eine Art der Angst besiegt, so taucht sie doch nur in einer anderen Art wieder auf. Angst kann dann sehr vieles sein. Angst ist, wenn man nur sehr langsam wach wird. Angst ist auch, wenn man eine ganze Weile dafür braucht, seine Gedanken in Bewegung zu versetzen. Angst ist, wenn man weder weiß, welcher Tag es ist, noch was man gestern und am Abend zuvor getan hat. Sobald man aufsteht, ist man von ständig zunehmender Angst umgeben. Es bleibt nichts anderes übrig, als sie einzuatmen. Die nächste Station der Angst begegnet einem dann meist im Badezimmer.

Der Blick in den Spiegel und man sieht ein Gesicht, das man kaum kennt. Mit lebensmüden, aufgequollenen Augen schaut ein Fremder aus dem Spiegel heraus. Mit fettigen Harren, grobporige, schuppige Haut, unrasiert. Angst ist, wenn man sich selbst nicht schön finden, wenn man dick und weiß ist und sich in seiner Haut nicht wohl fühlen. Doch letztlich ist es nur eine Angst von vielen die es zu überwinden gilt, genau wie der scheiß der draußen abgeht. Doch selbst wenn man sie besiegt kehrt sie in einer anderen vorm wieder zurück.


Angst kann so vieles sein und Angst findet dich immer.

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