Seite 3. 2015 Auftritt des Homunculus

Bühne: 2015 Gefangenlager Hadamar, ein Gang voller kupferbrauner Wände. Eine Kreatur hängt kopfwärts in dem Kerker vor August's Gitter.


August verängstigt aus der hintersten Ecke seiner Zelle, betrachtet sein Gegenüber besessen und irr.:


"Wer oder was ist es? Ist es ein Käfer, ist's ein Insekt? Nein, ein Menschlein ist's von Gift genährt und in Riemen eingeklemmt! Hat Augen nicht und Ohren kaum. Ein dumpfer Knebel fest ihm Munde steckt, an ihn vorbei sich eine lange Zunge reckt, die den eigenen Erpel Schleim vom Boden schleckt!

Das Gift es fault und färbt ihn ganz, es verleiht ihm schnöden Glanz! Wie ein Werk aus Gift und Groll, sein Jammer ist mir wirklich geheuer. Er nascht und heischt nach Luft! Aus seiner Zelle steigt fauler Entenduft! Das Scheusal weint und jammert, es klagt und klagt! Dieser Anblick mich füllt und gar verzehrt, mein irrer Geist...ich hör’ ihn, wie er taumelnd in die Hölle fährt."


Der Homunculus schreit bitter in seiner Zelle:


"Knebel, Marter, Rausch & Gift in meinem Balge steckt! Schleim und Kot, zu Boden trieft und ich schleck und schleck! Ich bin kein Käfer. Bin kein Insekt. Ich fühl mich ganz mit Gift gestreckt! Ich bin ein Werk aus Huld und Leid. Ich bin für dich gebenedeit! Ich bin der Homunculus! Ein Quäntchen Gift mich bänglich bläut! Wen wundert’s dass ich leiden muss?! Mein Leiden dich doch erfreut?"


August der sein verschwitztes Gesicht ungläubig zwischen die Gitter klemmt:


"Dieser Wahnsinn träufelt in ein schwarzes Meer. Es stochert in den Wunden, doch diese Pein ist sein Heer. Die Qual mich nun Beherrschung lehrt, der Schauer aus dem Kerker fährt. Der Homunculus schwappt dahin, er sucht nach seinem Sinn?! Er schaukelt lahm und müßig...ach was schaudert dieses Ding? Nie mehr fort von diesem Treiben, niemand soll seinen Ekel meiden! Zieht! Seinen Riemen hart. Gift! Bis das Fleisch erstarrt!"


Der Homunculus schrill verzerrt:


"Leid und Leiden, das ist Leidenschaft!"


August verwundert:


"Leidenschaft?"


Der Homunculus zornig, heulend, bang:


"Die mich fängt und liebt! Diese Leidenschaft die mich trägt und wiegt! Ich bin kein Engeling! Ich bin kein kaltes Ding.... Bühne, still, den Schneid ich will! Dein Plot ist irr und flott. Ich spinn ihn fort, mit Kunst des Mord's. Ich bin dir befohlen! Nie mehr bist du ein „Ich“. Dein Sinn ist so barsch und beugt dein Leid für mich. Mit Schwingen wirst du schweben! Als Mime meiner Bühne. Den Beifall erleben… als wir!

Wir sind nun wir in unseren Ketten, eine Brut aus fremden Betten. Wir sind ein Tier, ein Mord, ein Biest, das in der Hölle schmort. Diesem Kerker gilt unser Aufruhr, unser Zorn, unser Leid, unser Groll! Und die eine Frage, ob wir denn leben soll'n!"


August, den Tränen nahe von der Angst übermannt:


"Du bist der Mime meiner Bühne? Ich bin die Schuld und du meine Sühne? Du ein Scheusal, klobig, hässlich! Bin nie entzwei wie du, ganz dürr und grässlich! Die Flügel verkommen, zu zerrissen, um zu flieh'n! Ich bin ein Engel ohne Flügel! Keine Hand hält meine Zügel! Nein! Ich bin niemals dein.... Ich bin und bleib ein "Ich". Ich hasse dich!"


Der Homunculus lachend, schrecklich schief:


"Wo ist es denn, dein Ich? Nichts wird von dir mehr sein, wenn ich nicht mehr bin und nichts an uns weckt Begehr. Du wolltet es wissen, jetzt bist du zerrissen! Wir sehn’ uns nach Huld und Verzehr! Grausam gemalt bin ich viel Gestalt. Der Taumel macht dich bang. Nun küsst deine Brut wie der Teufel das tut. Ich ehr dich mich mit Grimm und mit Drang als diese Leidenschaft, die uns grollt und verdrießt!"

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