Ein Auftrag im hohen Norden, Teil 2

3 Stunden Später

Tag 4202, Tisy Military Recruitment and Research Center


Es war Mitternacht.

Das Heulen der Wölfe hallte selbst in diesem Komplex durch den Aufzugschacht wieder.

Der Aufstieg gestaltete sich abermals schwierig. Die Leiter des Aufzugschachtes war gebrochen und ein Sturz würde sicherlich tödlich enden. Wenn nicht der schweren Eisenstangen wegen, welche sich wie Speere einer Phalanx gen Himmel streckten, dann der Schar an Untoten, welche immer noch laut wehklagend dort unten hungerten. Im Stock über ihm, sah es nicht besser aus. Immer wieder hörte er das Fauchen der Untoten. Es klang beinahe so, als würden sie sich schon gegenseitig vor Hunger an die Kehlen gehen.


Stepan hatte sich einige Stunden ausgeruht und rüstete sich wieder zum Aufbruch. Er prüfte die reparierten Stellen seines Anzugs und schraubte seiner wieder aufgesetzten Atemschutzmaske einen neuen Filter an. Er ging den Korridor zum Treppenhaus, stemmte die Tür auf und spähte beide Richtungen aus. Die Taschenlampe wurde erneut angeschaltet und erleuchtete in kleinen Kegel die eingestürzten Treppenstufen im Untergeschoss sowie der brüchigen oberen Etagen. Aber keine Infizierte.

Im 1. Untergeschoss abgekommen, versperrte Stepan eine Barrikade aus Schutt und alten Büromöbel das Weiterkommen nach oben. Er fluchte laut aus und blickte zur verriegelten Tür des Warenlagers. Zweifelsohne das wohl lukrativste Depot um vielleicht noch Waffen, Ausrüstung und Munition zu finden. Aber dementsprechend überlaufen mit Jenen, welche das Selbe im Kopf hatten und an den Untoten scheiterten.

Nun stand er dort, an jener Tür zum militärischen Hochregallager.

Das Heulen der Wölfe, in der Ferne, klang deutlich, als er das Lager betrat. Die Taschenlampe bedeckt von der Hand, um nur einen kleinen Schemen an Licht zu bieten. Ein umgeworfener Gabelstapler hatte erreicht, dass ein Palettenregal als massiven Stahlgerüst einige der Gassen blockierte. Aber es ermöglichte auch einen Aufstieg auf eine höhere Ebene. Stepan nutze die Chance und kletterte jene hinauf. Verschaffte sich einen Überblick über das Palettenlager, welches um die siebeneinhalb Meter Lagerhöhe maß. Am Ende des dritten ebenfalls eingestürzten Lagerregales, sah er eine offene Laderampe, in einen von LKWs blockierten Aufgangs. Darum hörte er die Wölfe so klar und laut. Die restliche Halle war wohl nur deswegen nicht mit dem Gift erfüllt, weil der LKW den Weg blockierte. Dennoch sah er leichte Schwaden, die sich nahe der Rampe verflüchtigen..

Die Untoten tummelten sich beim Aufzug herum. Kein Wunder sofern sie den Geräuschen der unteren Etage folgten. Dennoch schlenderten vereinzelte Infizierte immernoch wie Nachtwächter durch die Halle.


Er hatte drei Möglichkeiten die Sache anzugehen..

Er wagte den Kampf, denn Munition hatte er hier genug herumliegen. Die Hoffnung, dass der Strom an Zombies irgendwann nachließ und sie es nicht schafften auf das Regal zu klettern. Was er im übrigen bezweifelte. Diese Viecher waren blind vor Hunger schon so manchen Athleten hinterher gesprungen.

Er könnte sie mit einer Ablenkung vom Aufzug weglocken. Eine Chance ermöglichen den Aufzug zu erreichen und das Paracord-Seil zu benutzen, welches er dort verankert hatte. Das Risiko eingehend, dass er die sechs Meter bis zum Hallenboden hinunterklettern und zügig die Halle durchqueren konnte, um nicht einer aufgescheuchten Horde zum Opfer zu fallen.

Zu guter Letzt bliebe die Laderampe. Wenn er diese erreichte, könnte er sich durch die Plane des LKWs durchschneiden und müsste sich lediglich der Ungewissheit dessen stellen, was ihn draußen erwartete. Gefangen in einem Beton Gegossenen Aufgang ohne Fluchtweg zu den Seiten.


Er kletterte hinab und blieb auf dem umgestürzten Gabelstapler knien. Er hohlte eine Signalfackel hervor und nahm ebenfalls eine zuvor entdeckte Blendgranate aus dem Regal über ihm. Er Zog den Stift und warf den lautstarken Erleuchter mit Schwung in Richtung des Treppenhauses. Jene Tür zu diesem, war immer noch offen. Kurz darauf warf er eine gezündete Signalfackel hinterher. Die Granate schlug mit satten Aufschlag gegen die Tür und landete im Treppenhaus, ehe sie zündete. Noch ehe der laute Knall und ein greller Lichtblitz durch die Tür aufbrach, war das Treppenhaus erleuchtet, wie ein Wohnzimmer am Weihnachtsabend.

Das Lechzen und Schnauben der untoten Schar, brach um ihn herum überall die Stille. Alle strömten sie wie Kaufsüchtige zum Sommerschlussverkauf ins Treppenhaus. Als der Strom nachließ, wagte Stepan sich zum Aufzug zu schleichen. Die Beißer waren aufgewühlt und suchten nach der Ursache des Knalls und der Lichtquelle. Als sie nichts Essbares fanden, verteilten sie sich alle in den Stockwerken, zu denen Stepan die Türen offen lies. Doch unzählig viele schlenderten aufgekratzt zurück und begannen sich in den Gängen zu verteilen.

Stepan musste sprinten und hoffen, das er in der Dunkelheit weitestgehend unerkannt blieb. Hinter ihm jauchzten in der Ferne die ersten Infizierten auf. Sie hatten ihn entdeckt und machten alle anderen in der Halle auf sich aufmerksam. Nicht weniger als fünfzig oder mehr Infizierte jagten ihm kurzerhand hinterher. Einem plötzlich aus dem Seitengang aufgetauchten Zombie stieß er mit der Schulter um. Jener sah den Impakt nicht kommen und taumelte gegen den Querträger des Regals. Er verabschiedete sich für immer mit einem geschmacklosen Knacken und fiel verdreht in sich zusammen.

Stepan erreichte nach einem kurzen Sprint, mit leichten Vorsprung, das Seil nahe des Aufzugs. Hakte sich ein und wand sich der abgegriffenen Leiter zu. In der Hast ergriff er sie. „JA. Sie war hier oben noch robust genug“, redete er sich ein und kletterte die Sprossen hoch. Hinter seinen Füßen griffen gierig, schwarze Finger hinterher, ergriffen das Seil und zogen es zu sich hinab.

Stepan kletterte unbeirrt höher. Erst jetzt nachdem das Adrenalin zur Ruhe kam, merkte er wie erschöpft er eigentlich war. Der Sprint durch die Halle, der harte Zusammenstoß mit dem Beißer und dazu noch der hastige Aufstieg der Leiter über sieben Meter in die Höhe, zehrten an seinen Kräften. Doch er hatte es geschafft.

Als er das Erdgeschoss erreichte, musste er durchatmen. Die Halle war immer noch so leer, wie er sie verlassen hatte. Das Seil konnte er jedoch vergessen. Es war auf Spannung durch den Griff der Toten. Er klemmte es vom Karabinerhaken seiner Weste ab und schon schlug es schnalzend auf den Boden auf. „Ist ja OK, ihr könnt es behalten.“ ,meinte er nur und richtete seinen Rucksack. Er nahm die Kalasch von der Schulter, machte die Taschenlampe an und leuchtete den Korridor aus.


Es war immer noch tiefste Nacht, und die Untoten im Geschoss unter ihm verursachten einen heiden Lärm. Es war dumm, bei solchen Umständen nach draußen zu gehen. Aber die Filter hielten nicht ewig. Und er hatte versprochen, am Tag darauf schon wieder zurück zu sein. Im Schutze der Nacht konnte er problemlos durch die Reihen der Toten schleichen. Die Taschenlampe erneut bedeckt halten, sodass man ihn nicht so schnell bemerken konnte. Einzelne Streuner schaltete er mit einem schnellen Messerstich in die Schläfe aus.

Als er das Unterholz am Stacheldrahtzaun wenig später erreichte, bemerkte er etwas vorbei huschen. Es verschwand so schnell im Unterholz, dass er nicht erkannte was es war. Er trennte den Zaun mit einer alten rostigen Drahtzange auf. Gerade als er diesen aufhebeln wollte, hörte er ein leises Knurren. Es brach die beinahe schon unheimlich gewordene Stille, wie eine Spaltaxt einen Holzscheit. Er hob die Taschenlampe langsam jenseits des Zaunes und es reflektierten mehrere Augenpaare. Dann griff ein Bündel aus grau-weißem Fell und Zähnen den Zaun direkt vor ihm an. Mit fletschenden Fängen keifend, brachen die Wölfe durch die auf geknipste Öffnung im Zaun und übersprangen den zurückgeworfenen Stepan.

Ein Rudel von sechs bis acht Tieren strömte in die Zone und griff Beißer an, welche sich lauthals zu wehren schienen. Stepan nutzte die Verwirrung und schlüpfte durch das Loch. Er rannte so schnell durch das Unterholz wie er nur konnte. Das Adrenalin stieg ihm bis zum Hals. Nicht zuletzt weil er hinter sich die lautstarken Geräusche einiger Wölfe bemerkte. Stepan riss sich die Gasmaske vom Kopf und ließ jene lose am Hals baumeln.

Dann fuhr er zurück. Er bemerkte etwas von rechts anstürmen und wich einen Sprung an die Kehle nur knapp aus. Die Bestie vergrub seine Fänge in der Maske und riss sie ihm schmerzhaft zerrend vom Hals. Er zog sein Messer und stützte die AK auf die Armbeuge. Dann leuchtete er, inmitten des Waldes, durch die Baumreihen. Er hörte sie um sich herum tabsen. Er nahm seine letzte Leuchtfackel zu sich und zündete sie mit lautem Zischen. Nur Zwei konnte er im rötlichem Licht zurückweichen sehen.

Sie hatten ihn in die Zange genommen. Umkreisten ihn und warteten auf eine Gelegenheit zuzuschlagen. Er bot ihnen die Chance als er sich dem Wolf vor sich vornahm. Er richtete die Waffe aus und blickte nach hinten. Der Wolf hinter ihm hechtete auf ihn zu. Er wirbelte herum und stemmte seinen Rücken samt Rucksack entgegen. Der Wolf fand keinen Halt an diesen. Er konnte sich nur in einem Riemen verbeißen, während Stepan den anderen Wolf mit einigen Salven zur Hölle schickte. Der Zweite hatte sich nach dem gescheiterten Sprung bereits neu positioniert und sprang Stepan erneut von der Seite an. Diesmal biss der Wolf in seinen linken Arm und zerrte wild fletschend an ihm. Er verbiss sich in den beschichteten Anzugstoff der Schutzkleidung, als auch dem dicken Stoff der Militär-Faser darunter. Blut quoll beim herumwirbeln des Kiefers aus den Wundrändern. Stepan konnte zwar sein Messer in der Hand drehen, aber er kam nicht dazu es zu benutzen. Ihm blieb keine andere Wahl: Er warf sich selbst auf den Wolf und wickelte seinen rechten Arm um den Hals des Wolfes. Der bäumte sich stark auf und biss nach. Der Schmerz brannte heiß, doch die aufschäumende Wut brannte heißer. Er presste die Halsschlinge fester und enger zusammen. Sein Arm würgte den Wolf bis dieser begann zu winseln. Den linken Arm entließ der Wolf und versuchte sich nun stattdessen aus dem Schwitzkasten heraus zu drehen.

Was Stepan wagte, war äußerst töricht und gefährlich. Doch der Wolf dachte nur daran, sich mit Drehbewegungen zu befreien. Stepan hakte am linken Ellenbogen ein und rückte den Hals des Tieres mit einem Aufschreien nach hinten. Der Wolf stemmte sich immer noch mit immenser Kraft dagegen. Stepan jedoch hatte ihn fest im Griff. Kein anderer Wolf konnte mehr verhindern, wie langsam die Halswirbel des Wolfes durch knackten und beim letzten Bruch ein leises Aufheulen seinem Feind entwich. Der Sicherheit halber rammte er dem leblos zu Boden fallenden Kopf das Messer in den Hinterkopf.

Sicher ist sicher.

Dann widmete er sich der schmerzenden Stelle seines Armes. Mit dem Messer schnitt er sich den linken Ärmel auf und legte die Bissverletzung frei. Mit einigen Stofffetzen des Ärmels band er die nicht tiefen Wunden ab und stand auf. „Darum kümmer ich mich später“, murmelte er, hob die AK vom Waldboden auf und atmete durch.

Schnell weg, ehe der Rest des Rudels oder gar noch Infizierte auftauchen.

Die Schüsse waren sicher in der ganzen Nachbarschaft zu hören gewesen.

Und der Weg nach Berezino war noch weit..


Hätte er zu dem Zeitpunkt gewusst das alles umsonst war und die verfluchte Junkie-Braut, derer wegen er dies alles tat, letzten Endes zu einem neuen Nico mutierte..

Die Leute auf Gerüchten hin auf wiegelte, ähnlich wie Giulia vor einiger Zeit seinen Bruder..

Dann hätte er sich diesen Ärger sicherlich gespart, indem er auf Sie einen feuchten Scheißdreck gibt, wie Stepan es seither auch tat.

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