Seite 2. 2010 bis 2015

August, traurig und kränklich:


"Ach was kann ich nun berichten, von der Anstalt viel' Geschichten? Auf des Berges stolzer Kuppe, gab es meist nur Wassersuppe. Schraubstock und auch Schmiede Feuer waren mir nie ganz geheuer. Bei des Kessels Dampfend' Hitze, musst' ich hungern und auch schwitzen. Oft dacht' ich an meine Bettler, Kameraden, vielleicht schon erschossen mit Gewehren, scharf geladen? Manche Träne Fiel in Schlacken, wenn der Rest in Sonntagsjacken, Rumspazierte, schnell und schneller, Flennte ich im Heizungskeller. Ja, für alle Angestellten war die Anstalt Paradies! Doch für mich, den Gequälten, war die Anstalt ein Verlies."


Bühne: Deutschland, 2010 Dezember in Hadamar. Hinter Meter dicken Anstahltsmauern, wird die Bettlerkaravane aus dem Bus begleitet. Sie tadeln dabei die Strenge, den Soldaten Mann`e. Sie mahnen des Kriegers Gelübt'. Lieber stelzen sie mit Freude zurück durch schneeweißes Land.


August frierend im Zorn:


"Ihr meuchelnden Helden im Totentanz, ihr wütet mit tollen Gewehren! Ohne Meute' seid ihr, sündig feige Herren, von schmählichem, kläglichem Stand! Wer liebt schon ein Land, das der Tod nun verschlang? Mit Helden und gellender Totschlägermacht. Wir hassen die Willkür, die Bombe, den Zank! Wir Russenbettler hassen euer Land!"


Der Soldaten Ekel vor August war dreist und befangen. Wie er stand da am Hof ganz kränklich und bang. Sie übten Gelächter, beschmutzten ihn leidig. Sie droschen mit Freud den Bettler, als Feind.


August, blutend, heulend im Aufschrei:


"Mutlos Gesindel, gereiztes Reptil, kommt, prügelt mich zum Krüppel, der müde und bang fleht! Stört dich mein abscheulich Blick! Verfemt er wich dem Bild von Glanz, Liebreiz und Anmut mieden mich von nun an ganz! So blieb ich wohl grässlich für mein Leben. Blieb Gebein, nicht der Rubin? Der funkelt und glimmert wie Licht in beschien!? So blieb ich in Hoffnung, dass der Rest Schönheit nun langt! So stand ich in Blute geschnürt und verdammt! Wir sind auch Menschen mit Herz und Verstand! Die lieben und Leben, ihre Tugend, ihr Land!"


2011 tritt August vor den Richter, der betteln'e Bube. Der G3 Arzt beschaut seinen blauen Buckel und sicher, gewiss, war er amüsiert ihn zu sehen.


Der Arzt während mehreren Experimenten an August:


"August, warum Zitters du? Nicht zittern, Junge, sondern Pillen schlucken! Hat dir denn in Moskau niemand Trinken beigebracht? August, halt die Füße still, hör endlich auf zu zucken! Schlucken, trottel, schlucken, pissen, spucken, gut gemacht! August, warum stirbst du nicht? Kannst du nicht vom fressen schneller brechen? Gib es endlich auf, du siehst doch, du hast keinen Zweck. Deutlich, August, deutlich! Reiß die Zähne auf beim Sprechen! Russe, sind das Sommersprossen oder Mückendreck? Hach August, du hast ja Segelohrn, mit denen kannst du sicher fliegen! Flieg doch, wenn du Schiss hast, ich helf dir zum Fenster rauf! August, lass uns spielen, komm, ich zieh die Spritze auf."


2013 Hadamar Todestrakt, nahe dem Heizungskeller.


Die vom hunger mager Bettlerschar:


"Die Sonne kommt zu uns, hinein in unsere Zelle. Sie drängt sich durch das Holz, die Ritzen und die Spalten... der Dreck bittet zum Tanz, will ihre Strahlen halten...."


Die verkrüppelte Bettlermaid flüsternd und wirr:


"So ziehen wir uns aus, es heißt, man wird uns waschen? Ein pfeilspitzes Gesicht will wissen, wer ich bin? Und führt uns durch den Saal zu Mantelbergen hin. Ich finde einen Knopf und Tabak in meinen Taschen."


August mit einem Blick durch Lüftungsgitter:


"Gemessen werden Sie? Betrachtet und gewogen? Eine Kamera zielt scharf und scheißt auf die Maid, sein Bild. Sie schützt die Brust und hebt die Arme wie ein Schild. Dem Foto folgt ein Wort auf einem Meldebogen?!"


Die vom hunger mager Bettlerchar:


"Heute ist der Tag, von welchen wir seit dem Anfang immer wussten, der eine Tag, von dem wir alle wissen mussten! Heute ist ein Tag, an dem die Mörder Kreuze tragen und wir beten für das Edle, für das Schöne, Gute, Wahre. Heute ist der Tag, an dem sie Rechenschieber preisen. An dem über diesem Keller jedes Vöglein weiter singt. An dem uns die Deutsche Flamme frisst, vertilgt und in sich schlingt! An dem Brenner unsere Leiber aus den verkrampften Körpern pflücken! Man öffnet uns die Klappe, und das Ende, es wird wahr, wir komme in einen Ofen, den Backofen von Hadamar?!"


G4 streng und wachsam gegenüber dem O5:


"Jetzt stecken alle bis auf einen in der Brandkammer. Sie werden jetzt vergessen, verloren und verbrannt. "


August unter Schock im Heizungskeller:


"Durch das Lüftungsgitter, der Geruch von Feuer, Fleisch, verbrannt! Durch das Gitter erblick' ich bitter, wie Jesus starb, in Deutschland!"


2015 Sommer, Hadamar Gefangenenlager.


August irr und wirr in seiner Zelle sitzt:


"Ihr Geist sühnt nun mein Leben, er wundert sich auf der Suche nach dem Sinn?! Ihr Boot, seine Anker hat gelichtet! Frei und famos, mit "Asche in der Mitte. Ach Freunde, arme Bettler, schon im Äther dunst verhangen! Ich habe Angst, hört ihr? Angst! Nun schlaf ich mit meiner Puppe ein, mit Liebe und Sühne der Leier zum Preis..."

Kommentare