Der letzte Traum, ein hauch von Sühne oder zwei Tote Tanzen Schika Schaka!

Ene mene miste, was rappelt in der Kiste? Es schlägt, Hämmert böse ein, auf eine kalte Truhe. Ein Toter will leibhaftig sein und gibt partou nicht Ruhe. Er streckt das kalte Händchen dann aus einem Totenhügel. Er schreit ganz irr, der Tod aus ihm, er lacht und spielt und tanzt. Als Kurbeln leise Murmeln, ziehen die Toten an den Saiten mit Händen aus Granite. Es ist das Orchester des Schreckens. Sie spielen und leiern, sie gaukeln und frieren, sie ziehen durch das Kirchen Geröll. Sie fiedeln und tönen, sie kurbeln und geigen, sie spielen für den toten Mann.


Das Orchester des Schreckens:


"Der Samuel war ein Eichenklotz, ein müder kleiner Klotz. Ein stumpfer, toter, matter, bleicher, fahler kleiner Klotz. Er wich dem Glanz, dem Raspeltanz, der Schnitzerbubenhand. Er hing noch nicht an Fäden und mied den Soldatenstand. Deutschland schnitzte brav und fein den Samuel aus dem Klotz. Sie schliffen den edlen Körper und schnitten Kleider aus dem Stoff. Das Reich gab dem Samuel Leben und hingen ihn an Fäden. Sie lenkten ihn, sie hegten ihn, sie führten ihn zum Feld!"



Samuel Kaiser:


"Ich leb' mich tot und lachte laut, das Leben ward ein scheiß Kumpel. Leidig, zäh und müd' und streng und doch ein Toter ist nicht tot! Ein Dolch, das ist ein Ding, das im Rücken sticht... Doch bringen Bauern mich zu Tode nicht! Haltet lieber an, den letzten Ton, der übrig blieb von meinem Lohn!"



Doch dann, wer Stand da, war SIE es? In einem weißen Kleid! Geschlagen, zerhauen, gewalkt bis zur Pein. Belogen und betrogen, mit Stock und mit Stein. Eine Kokette Leiche. Modrig, bleich und dürr und gar wegen ihr hofft er auf sein End!



Samuel Kaiser:


"Vergib' mir mein Leben du im holden Gewand, ich war doch nur ein Bengel, der dich nie gänzlich verstand... Verzeih' meine Dummheit, sie hat mich besiegt, der tot war die Hoffnung für die Liebe nach dem Krieg! Doch du, du lebst?! Denn wer stirbt den wachsen Flügel!"



Die Kokette Leiche im weißen Kleid:


"Ich Flieg` nicht als Engel, doch wahrlich nicht Mensch. Ich brauch keine Flügel in dieser Welt. Ich fiel von dem Zweiglein des Deutschen Baums, konnt's länger nicht tragen das kränkliche Ding! Doch ist gut Bub, halt fest nun den unseren Stamm! Auch ich erschoß im Irrtum den eigenen Mann! Doch sieh bloß wie schön auch eine verkrüppelte Seele sein kann... So bleibe am Leben im Russischen Land! Lern vom Leid der Liebe, dass kein Toter ewig ruht. Dass Karma weiß, was Sünder gerne tun... Nimm dein eigenes Ende nicht in deine Hand. Bestraft nicht mein Scheitern, geliebter Mann! "



Das Orchester des Schreckens:


"Wirt er dann Sieger sein, auf dem Schlachtfeld ganz allein? Er tänzelst, bleich, wie Licht zum Schein und kämpft... mit einem Stein? Er rührte von der Deutschen Stadt und schlaucht die Gefahr. Er tat was eine Puppe tat und kämpft ohne Schar! Sein Spiel war fein, Soldatenschwein! Ein Schuft in Uniform ganz allein! Du kleiner Zinnsoldat, wagst eine freche Lippe! Dein Mut ist... HAHAHA! Eine Schmach gegen die Ritter! Doch er stand sein Manne kühn und trunken, bohrt Lanzen durch Halunken! Und stirbt durch Schwerter und Kanonen, als wollt' er seinem Weibe lohnen!



Die Kokette Leiche im weißen Kleid:


"WACH AUF! Ehe du schläfst, denn dein Traum ist voll leid! Wach auf, ehe dein Traumbild dich teilt! Wach auf, ehe du glaubst, dass du mich länger noch brauchst!"



Samuel Kaiser:


"Was stört dich am Träumen? Was soll mir der Tot am Leben versäumen? Wie bringt er mir Leid? NEIN, ich kämpf' für mein Herz! Mein Leben als Deutscher? Es kostet mich Schmerz! Nur sie ist mein Glück... und sie ist, ewig mein!"


Sie roch so nach Tod mit ihrem Duft, mit Augen , so finster und leer. Das Orchester spielte die Geige zum Tanz. Ein Kratzen am Bund, Ein Ton der verstummt. Sie tanzte im güldenen Glanz, mit heiterer Mimik entspannt. Es fehlte das Schuhwerk ihr ganz. Das tote Ding. Ihr Herz war bei ihm und es schwankte, Ja schwankt in der Brust nur zart hin und her. Sie tanzten verlacht im Saal der Eheleut. Lieb war ihnen jeder Totentanz. Ihr Bouquet blieb vor Reiz und vor Duft gefeit, lachend verlebten sie den Glanz. Es war ihr allerletzter Tanz... er war... schlicht famos!

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