Kurze Worte einer Deutschen Leich.

Ich wartete, ich wartete lange auf meinen Schluss. Auf das Ende, das auf Grund des Anfangs irgendwann doch kommen musste. Darauf, dass die Bösen sterben, darauf, dass die Guten siegen. Darauf, dass meine Arme endlich reichen um zu fliegen. Laute, dumpfe Schläge erreichen dann mein Ohr, donnern laut von meinem Tor. In meiner weißen Kirche dann, als jeder Schuss nach Winter klang. Als totes Fleisch zu Boden fiel.


Ich lebte mich leer. Doch wer hockt nun da bei meiner Leich? Erschossen war ich, Kreide Bleich. Welch Kamerad klagt mit leidlich' Instrument, elend, wach und doch dezent? Das Orchester des Schreckens spielte für mein Grauen auf, Streichte die Bögen auf und nieder wie die Krähen ihr Gefieder. Von Knochenhänden kalt misshandelt jammerten mich die Saiten an.

Langsam sank ich zum Grunde dieser Phantasmagorie. In den Rauhreifschwang'ren Weiden, die verliebt wie Ketten Rasseln. Ihr Ächzen wirbelte um mich wie das Laub. Ach bin ich froh das kein Untoter gar, mein Mörder war. Sondern ein Krieger aus dem Heer, mit seinem schönen Schießgewehr.


Doch welch Kumpan klagt mit Tränen an mein Grab wenn er Wehmut sucht? Ich danke für jedes Lied, es dröhnt hier mit bitterem Schmerz. Klopft man an mein Boot und Schaufelt mich frei aus der Kälte, mit frierendem Ton. Doch wer in nahen Stunden wagt, sich gar mit beiden Händen plagt. Den Deckel meiner Kiste zu verrücken, den würde dann wohl kaum entzücken, dass ich, Samuel Kaiser, die Kirche hier zur Leere Zwang. Bei diesen Gedanken, ich schmunzle schon und lache gleich, wem bin ich wohl was wert als Deutsche Leich?




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